Mühlen für die Grundstoffindustrie

Im Gegensatz zu den Mühlen der Justiz, von denen man nach landläufiger Meinung nicht allzu viel Dynamik erwartet, leisten Mühlen für die Grundstoffindustrie Enormes, und die Anforderungen steigen weiter. Ob Zementrohmaterial, Kalk, Gips oder Puzzolane (unter Hitze entstandenes, kieselsäurehaltiges Gestein mit Bindefähigkeit): sowohl den Antrieben als auch der Walztechnik wird gigantische Kraft und absolute Zuverlässigkeit abverlangt. Die Anlagen müssen rund um die Uhr laufen, Antriebsleistungen bis zu 12.000 kw und Mahlleistungen bis zu 1000 t pro Stunde sind aufgrund der Entwicklung zu immer größeren Anlagenkapazitäten im Gespräch.

 

Anlagenverfügbarkeit und optimierte Wartungskonzepte werden ebenfalls immer wichtiger, aber auch ein hocheffizientes, sicheres und transparentes Engineering für Konstruktion und Betrieb. Als eines der führenden Unternehmen im Bereich Mühlentechnologie hat sich die Gebrüder Pfeiffer SE mit Zentrale in Kaiserslautern daher entschieden, seine Engineeringprozesse zu optimieren.

 

Das Familienunternehmen blickt auf mehr als 150 Jahre im Anlagenbau zurück. Es entwickelt moderne Aufbereitungstechnik für die Grundstoffindustrie, hauptsächlich im Bereich Zement, Kalk, Gips und Keramik. Die Mühlen, Trockner, Sichter, Kalklöschanlagen oder Gipskocher von Gebr. Pfeiffer sind weltweit im Einsatz. Die Firmenzentrale mit einem Stamm von mehr als 450 Mitarbeitern steht in Kaiserslautern. Für internationale Präsenz sorgen eigene Niederlassungen in den USA und Indien, Reprä­sentanzen in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie ein umfassendes Netz von Kooperationen und Vertretern.

 

Mehrfach erreichten Gebr.-Pfeiffer-Mühlen Superlative wie „größte Mühle der Welt“, „größte Produktionsmenge“, oder „größte installierte Antriebsleistung“. 2015 baute das Unternehmen in Nordafrika die zweitgrößte Zementmühle der Welt, die bis zu 340 t OPC (Ordinary Portland Cement) pro Stunde mahlen kann. Damit sind die zwei größten Zementmühlen der Welt Pfeiffer-Mühlen. Die vielen internationalen Aufträge, vor allem aus Ländern mit Bauboom wie Indien oder China, bedürfen eines hochtransparenten Änderungsmanagements und eindeutiger Kommunikation mit den Kunden. Auch dies waren wichtige Gründe der Mühlen-Experten, für die Optimierung des Engineerings nach einem neuen System zu suchen.

 

Lebenszyklus verlangt Durchgängigkeit

„Unser Kunde Holcim machte uns auf den Software-Anbieter Aucotec aufmerksam. Holcim nutzt deren System Engineering Base (EB) nicht nur im Anlagenbetrieb, sondern setzt es schon in der Ausschreibungsphase ein und baut auf den dabei bereits erarbeiteten Daten die weitere Entwicklung der Anlage auf“, erzählt Wolfgang Fuhr, Leiter der Organisation und Datenverarbeitung bei Gebr. Pfeiffer. Aucotec ist ein unabhängiger Systementwickler mit Zentrale in Hannover. Das mittelständische Unternehmen feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag.

 

Dass Holcim als einer der weltweit größten Zementhersteller seinen Lieferanten EB-Dokumentationen vorgibt, war keinesfalls der Hauptgrund, weshalb sich das Unternehmen schließlich tatsächlich für die unternehmensweite Einführung der Software-Plattform entschieden hat. Zum einen schauten sich die Kaiserslauterer die Referenzen anderer Anlagenbauer an, zum anderen war ihnen klar, dass bestimmte Anforderungen, die sie als Hersteller mit hoher Fertigungstiefe an ihre eigenen Produkte stellen, am besten mit einem System umsetzbar sind, das besondere Durchgängigkeit bietet.

 

„Unsere Innovationsfähigkeit hängt auch ab von der Schnelligkeit und Qualität, mit der die Entwicklung und Konstruktion arbeitet“, meint Fuhr. „Deshalb brauchten wir ein durchgängiges Engineering-System zur Erstellung von P&IDs und Fließbildern für die Anlagenplanung. Mit EB ist jetzt das umständliche Wechseln zwischen den Tools Geschichte. Die bisherige Arbeitsweise mit einfacher CAD-Planung und separaten Listen in XLS war extrem aufwändig und fehleranfällig, vor allem bei Änderungen“, berichtet der Abteilungsleiter.

 

Weniger Aufwand, weniger Fehler

Zur Unterstützung der grafischen Bearbeitung ist in dem datenbankbasierten System das Microsoft-Tool Visio integriert, das weit verbreitet ist und die bekannte, intuitive Arbeitsweise der Office-Welt mit sich bringt. „Auf diese Weise brauchen wir keine extra CAD-Werkzeuge mehr“, so Wolfgang Fuhr, „und die Kopplung der Grafiken mit der Datenbank macht die erarbeiteten Informationen enorm transparent.“ EBs Datenbank stützt sich ebenfalls auf eine bekannte Microsoft-Komponente: den SQL Server. Er sorgt dafür, dass sämtliche Eingaben, egal ob in Explorer, Grafik oder Liste erstellt, sofort auch in den jeweils anderen Ansichten erscheinen. Denn die Datenbank enthält das zentrale Modell, Grafik oder Arbeitsblatt sind nur unterschiedliche Repräsentationen dieses Modells. Dadurch entfallen Mehrfacheingaben ebenso wie die damit verbundenen Abstimmungs-Aufwände und Fehler.

 

Noch ein weiterer Punkt beschleunigt den Anlagen-Entwicklungsprozess und verringert Aufwand und Fehler zusätzlich: die Bibliotheken, die die Engineering-Plattform zur Verfügung stellt. Neben bereits vorgegebenen Standard-Symbolen lassen sie sich auch mit Unternehmens-eigenen Shapes ergänzen. Das wiederum sorgt für einen umso höheren Standardisierungsgrad, je besser diese Bibliotheken gefüllt sind. Diese vorgefertigten Komponenten brauchen dann nur noch per Drag&Drop in das Projekt gezogen zu werden. „Für die bei uns übliche modulare Zusammenstellung der Anlagen ist das eine großartige Unterstützung“, erklärt Chef-Organisator Fuhr.

 

Neue Ebene der Kommunikation

Besonders lobt der Abteilungsleiter das integrierte, transparente Änderungsmanagement. Zum einen profitiert es ebenfalls von der Standardisierung, zum anderen konnte es durch die Einführung eines neuen Asset Codes noch vereinfacht und beschleunigt werden. Mit Asset Code ist eine neue Strukturdefinition gemeint, also hauseigene Regeln für Equipment-Bezeichnungen. „Das Änderungsmanagement in EB hebt die Kommunikation mit unseren Kunden auf eine andere Ebene“, sagt Wolfgang Fuhr. Denn das komfortable grafische Markieren von Änderungen in Diagrammen schaffe eine bisher nicht gekannte Übersicht und trage damit ebenfalls zur schnelleren Abwicklung bei.

 

Zukunftsvision Branchenstandard

Für die Zukunft haben die IT-Spezialisten bei Gebr. Pfeiffer noch weitergehende Pläne mit EB: „Wir würden das System gerne auch schon für die Angebotserstellung nutzen“, so Fuhr. Dabei generiert das ausschreibende Unternehmen per Knopfdruck aus dem Flowsheet in EB ein Tender-Projekt, das die Zulieferer in ihre EB-Datenbank einlesen können, um dort das Datenmodell mit ihren Angaben zu füllen. Datenblätter und Flowsheet sind miteinander verlinkt. Am Ende des Ausschreibungs-Prozesses vergleicht EBs ‚Tendering Manager‘ jedes einzelne Attribut der eingetragenen Objektdaten. In wenigen Minuten zeigt er die Unterschiede, die sonst in wochenlanger Arbeit gesichtet, sortiert und bewertet wurden – ohne Format- und Werkzeugübergänge, ohne Papier und Excel-Listen.

Eine ERP-Schnittstelle wäre eine weitere Optimierung, die der oberste Datenverarbeiter anstrebt, das neue System sei offen dafür. Darüber hinaus denkt Fuhr an EB als Branchenstandard im Zementanlagenbau. „Es wäre wünschenswert, wenn sich das konkretisieren würde.“ Sein Fazit: „Unser Engineering hat in jedem Fall jetzt schon gewonnen, die Kollegen haben das System schnell angenommen und wissen die Erleichterungen sehr zu schätzen.“


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