Optimierung an der Deponie Tüfentobel

1. Verlängerung 2013

Nach einer intensiven Planungsphase, in deren Rahmen die optimale Variante zur Verlängerung des RopeCon Systems in der Deponie Tüfentobel gesucht wurde, wurde schließlich zu Beginn des Jahres 2013 eine zusätzliche Stütze eingebaut und der Abwurfpunkt entlang der Strecke versetzt. Dazu wurde die Abwurftrommel verschoben und zusätzlicher Gurt eingespleißt. Der RopeCon entlädt nun neu bei 980 m. Im Zuge dieser Verlängerung wurde eine zusätzliche Stütze montiert. Das Besondere dieser Stütze ist, dass sie aufgrund der sehr schlechten Bodenbeschaffenheit nicht direkt unterhalb des RopeCon verankert wurde, sondern etwas seitlich versetzt positioniert ist und so schräg in die Strecke ragt. Die Stütze hat eine Länge von 50 m und ermöglicht einen Bodenabstand des Fördergurts von 38 m an dieser Stelle. Diese Konstruktion erlaubt außerdem den Einbau des Materials direkt unterhalb des Bands.

Ein Versetzen des Abwurfpunkts in mehreren Etappen war von Anfang an in der Planung für dieses Projekt vorgesehen, um das Material immer möglichst nahe der Stelle abzuladen, wo es eingebaut werden soll. Der RopeCon wurde im Jahr 2010 auch bereits einmal um 220 m verlängert. Da jedoch dieser Bereich aufgrund der stark gestiegenen Anliefermengen relativ rasch aufgefüllt worden war, wurde der Abwurfpunkt zwei Jahre später erneut versetzt.

Mit dieser Verlängerung wurde, entgegen des ursprünglichen Konzepts, der Abwurfpunkt weiter verschoben als ursprünglich für diese Etappe vorgesehen war. Diese Änderung in der Planung trägt der erhöhten Materialanlieferung zur Deponie Rechnung und ermöglicht, abhängig von der zukünftigen Entwicklung des angelieferten Volumens, die Hinterfüllung auf weitere 6–8 Jahre ohne zusätzliche Umbauten.

2. Das Erweiterungsprojekt der Deponie Tüfentobel

Der RopeCon als Transportlösung für Inertstoffe war Teil des Erweiterungsprojekts der Deponie Tüfentobel, in dessen Rahmen neuer Deponieraum erschlossen werden sollte. 5,3 Mio. m³ an zusätzlichem Volumen konnten durch die Hinterfüllung des langgestreckten Tals gewonnen werden. Die Kapazität der Deponie zur Ablagerung von Inertstoffen hätte sich ohne die Erweiterung bis 2004 erschöpft. Durch den neuen Deponieraum konnte der Betrieb auf mehrere Jahrzehnte gesichert werden. Im Mai 2003 beschloss der Grosse Gemeinderat die Erweiterung der Deponie. Im November desselben Jahres stimmten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger dem Erweiterungsprojekt für die Deponie mit über 92% zu.

Das vorgelegte Erweiterungsprojekt untersuchte unter anderem auch das Transportkonzept nach verschiedenen Gesichtspunkten. Folgende Ziele wurden dafür definiert: die abschließende Rekultivierung der Deponie in mehreren Etappen, niedrige Betriebskosten, der sichere Betrieb, die minimale Belastung der Anwohnerschaft durch Immissionen sowie optimale logistische Bedingungen aus der Sicht der Anlieferer.

Eines der betrachteten Transportkonzepte beinhaltete die Implementierung eines RopeCon von einer Entladestelle für LKWs nahe der Einfahrt auf das Deponiegelände bis zum gegenüberliegenden Ende des zu hinterfüllenden Tals. Der RopeCon kombiniert bestehende Gurtfördertechnik mit erprobter Seilbahntechnologie und wurde vom österreichischen Seilbahnhersteller Doppelmayr entwickelt. Es handelt sich hierbei um einen Gurtförderer, bei dem ein Flachgurt mit seitlichen Wellkanten in regelmäßigen Abständen mit Achsen versehen ist. An den Enden der Achsen sind Laufräder angebracht. Diese Laufräder bewegen sich über eine Strecke aus Stahltragseilen fort. Die Tragseile wiederum sind ähnlich einer Seilbahn über Stützen geführt. Das ganze System ist somit vom Boden abgehoben und kann Hindernisse oder schwieriges Gelände leicht überwinden. Der Gurt selbst dient als Zugelement und wird an den Enden über eine Trommel angetrieben bzw. umgelenkt.

3. Die Auswirkungen des RopeCon auf den Deponiebetrieb

Im Folgenden wird beschrieben, welche Auswirkungen der Einsatz des RopeCon auf betriebliche Aspekte der Deponie hat. Dabei konzentriert sich die Analyse auf jene Aspekte, die im Rahmen der Untersuchung des Transportkonzepts als Ziele definiert wurden (siehe oben).

3.1. Die etappenweise Hinterfüllung und Rekultivierung des Deponieraums

Das Konzept einer Auffüllung und Rekultivierung in Etappen unterstützt das Ziel der Deponie, die schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt möglichst zu vermeiden. Außerdem entspricht sie der Anforderung im Artikel 34 der TVA, SR 814.600 (Technische Verordnung über Abfälle des Schweizerischen Bundesrats, Anm.), dass offene Betriebsflächen einer Deponie möglichst gering zu halten sind. Wald wird z.B. nur für die benötigten Auffüllungsflächen gerodet, nach Abschluss der Auffüllung in einer Zone wird diese baldmöglichst rekultiviert.

Für diesen Anwendungsfall wurde der RopeCon als ‚erweiterbares‘ System ausgeführt. Dazu wurden mehrere Phasen mit jeweils unterschiedlichem Entladepunkt entlang der geraden Strecke definiert. Die tragende Konstruktion, d.h. die Tragseile, die Seilverankerungen und die Stützen, wurde zu einem großen Teil bereits in der ersten Phase für die gesamte Länge von 1.250 m installiert. Der Gurt hingegen, auf dem das Material transportiert wird, wird zunächst nur auf einem Teilstück montiert. Die Abwurftrommel, über die der Gurt umgelenkt wird, kann versetzt werden. Wenn der vorgesehene Grad der Auffüllung für eine Zone erreicht ist, wird sie im bestehenden Seilfeld neu positioniert und der Gurt entsprechend verlängert. Der RopeCon entlädt dann an diesem neuen Punkt, bis auch hier der Grad der Auffüllung erreicht ist. Je nach Phase wird zum Teil auch eine zusätzliche Stütze gesetzt. Da der RopeCon ein vom Boden abgehobenes System mit lediglich punktuellem Platzbedarf am Boden ist (im Bereich der Stützen und Stationen), können der Einbau des Materials mittels Bulldozer sowie auch die Rekultivierung auch unterhalb des RopeCon durchgeführt werden. Nach Beendigung der Gesamteinsatzdauer des RopeCon kann dieser vollständig demontiert werden.

RopeCon als Transport System

3.2. Die niedrigen Betriebskosten

Mit dem fortschreitenden Auffüllen entlang des länglichen Tals werden auch die Transportdistanzen zur Kippstelle immer länger. Außerdem müssen die Straßen jeweils dem neuen Geländeprofil angepasst und Instand gehalten werden. Von der Kippstelle aus muss das Material mit Bulldozern verteilt und eingebaut werden.

Durch den Einsatz des RopeCon als Transportsystem für die Hinterfüllung entladen die LKWs das Material in einen Bunker in der Nähe des Deponie-Eingangs. Ab diesem Punkt wird das Material auf dem Band bis zur Abwurfstelle gefördert. Diese kann, unabhängig vom Straßenverlauf, so gewählt werden, dass auch die Wege für die Bulldozer möglichst gering gehalten werden. Somit werden sowohl die Transportwege für die LKWs als jene für die Bulldozer reduziert. Die LKW-Transporte, für die dennoch Straßen ins Deponiegebiet gebaut werden müssen (z.B. für spezielle, punktuelle Hinterfüllung, für die Bacheindolung etc) sind zahlenmäßig viel geringer. Dadurch erfahren die Straßen auch eine geringere Beanspruchung.

Ein weiterer Punkt, der Kosten verursacht, ist die Straßenreinigung. LKWs, die auf unbefestigten Deponiestraßen zur Kippstelle fahren, verschmutzen, insbesondere bei nasser Witterung, die Straße stark. Mit der zentralen Entladestelle im Eingangsbereich, die über asphaltierte Straßen erreichbar ist, ist das Verschmutzungsproblem auf LKWs beschränkt, die für oben genannte spezielle Transporte dennoch über die Deponiestraße fahren müssen.

3.3. Sicherer Betrieb

Ein Ziel, das bei der Beurteilung des Verkehrskonzepts betrachtet wurde, war der sichere Betrieb der Deponie. Nicht nur in Bezug auf die Deponietechnik, sondern auch in Bezug auf die eingesetzte Transportlösung. Gerade die oben erwähnte nasse Witterung kann die Sicherheit erheblich beeinträchtigen. Der Transport mittels LKWs wird bei Schnee oder extremer Nässe mitunter zu gefährlich. Es kann sogar vorkommen, dass die Deponie geschlossen werden muss.

Mit dem RopeCon lassen sich solche witterungsbedingten Schließungen weitgehend vermeiden, da das Material nicht über nicht asphaltierte Deponiestraßen transportiert werden muss, sondern gleich im Eingangsbereich der Deponie aufgegeben werden kann. In diesem Bereich sind die Straßen asphaltiert. Die RopeCon Anlage selbst funktioniert vollautomatisch.

3.4. Minimale Belastung der Anwohner durch Immissionen.

Direkt an das Gebiet der Deponie Tüfentobel angrenzend befinden sich Siedlungsgebiete der Gemeinde Engelburg. Die Reduktion der Immissionen auf ein Minimum war ebenfalls eines der Ziele in der Deponieplanung. In Bezug auf die Transportlösung wurde im Besonderen Lärm und Staub betrachtet. Durch den Einsatz des RopeCon statt LKWs verringern sich die Lärmemissionen auf der Strecke. Zudem konzentrieren sich die Lärmemissionen auf den jeweiligen Start- und Endpunkt der Strecke. Zumindest der Endpunkt wandert mit dem Deponiefortschritt. Dadurch sind die Anwohner immer nur zeitlich begrenzt vom Deponiebetrieb im Bereich der Materialeinarbeitung betroffen. Auch die Staubemissionen werden dadurch verringert, dass weniger LKWs auf den nicht asphaltierten Deponiestraßen fahren müssen. Das Material selbst liegt in Ruhe auf dem Gurt.

Der Endpunkt wandert mit dem Deponiefortschritt

3.5. Optimierung der Logistik für die Anlieferer

Der Einsatz des RopeCon hat einige wesentliche Auswirkungen auf die logistischen Bedingungen für die Anlieferer von Material. Zum einen können die Transportdistanzen konstant kurz gehalten werden. Bei derzeitigem Verfüllungsfortschritt bedeutet ein Antransport des Materials per LKW zur Kippstelle eine Rotationszeit von ca. 10 min. Wird das Material mittels RopeCon zur Entladestelle gebracht, muss der Fahrer nur bis zur Entladestelle fahren, was seine Rotationszeit auf ca. 2 min verkürzt.

Die zentrale Entladestelle für LKWs hat außerdem den Vorteil, dass sich die LKWs für gewöhnlich nur auf asphaltierten Straßen bewegen. Dadurch ist es auch nicht nötig, die LKWs zu waschen. Somit ersparen sich die Unternehmen die Waschkosten. Es ist zudem möglich, Material bei jeder Witterung anzuliefern, was ohne RopeCon bei großer Nässe ev. nicht möglich wäre.

Generell hatten die Betreiber der Deponie die Gebühren aufgrund der erwarteten größeren Anliefermengen zunächst gesenkt. Ursprünglich wurde mit dem erweiterten Einzugsgebiet im Zusammenhang mit dem Abschlussprojekt 2003 mit jährlichen Anliefermengen von 200.000 m³ bis 300.000 m³ gerechnet. Es wurde von einer Lebensdauer der Deponie von ca. 30 bis 40 Jahren ausgegangen. Die jährlichen Anliefermengen liegen derzeit allerdings bei ca. 600.000 m³ bis 700.000 m³, wodurch sich die Lebensdauer der Deponie auf nunmehr ca. 12 Jahre reduziert.

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